Presseinformationen nach Jahren
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS
Galileo-Wissenspreis für Rollstuhlfahrer-Navi
Mediendienst 19.12.2008
Scheinbar einfachste Wege können sich für Rollstuhlfahrer in einer fremden Stadt schnell als unüberwindlicher Hindernisparcours herausstellen. Kopfsteinpflaster, Treppenstufen, steile Berge – dies und vieles mehr berücksichtigt nun das von den 15-jährigen Zwillingsschwestern Marie und Sophie Scholz entwickelte Navigationssystem speziell für Rollstuhlfahrer. Die Grundlage für diese Anwendung lieferten die Wissenschaftler des Frauhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS mit ihrer autarken WLAN-Lokalisierung. Ein mit 25 000 Euro dotierter Galileo-Wissenspreis war das Ergebnis für die Nachwuchsforscherinnen.
»Natürlich haben wir uns riesig über den Preis gefreut und waren bis zuletzt gespannt, ob wir nun die Gewinner sind oder nicht. Aber ohne die Hilfe und Unterstützung des Fraunhofer-Instituts hätten wir sicherlich unsere Ideen nicht verwirklichen können. Wir konnten uns bei Fragen und Problemen stets an die Forscher wenden«, erklärten die beiden Siegerinnen. Ursprünglich hatten die beiden jungen Talente ihr System mit GPS geplant. Dies stellte sich aber in der Stadt und für Fußgängertempo als nicht ideal und auch als ungenau heraus. Zuverlässiger und genauer für ihre Zwecke ist die autarke, metergenaue »WLAN-Lokalisierungstechnologie für Städte und Gebäude« des Fraunhofer IIS. Sie berücksichtigt alle verfügbaren WLAN-Sender zur Positionsbestimmung, sowohl kommerzielle Hot-Spots als auch private WLAN-Sender gemäß dem verbreiteten WLAN-Standard IEEE 802.11. Sie arbeitet ohne Anmeldung und Zugriff ins WLAN-Datennetz und benötigt keine Information über den Standort der WLAN-Sender. Dabei toleriert der robuste Ortungsalgorithmus des Fraunhofer IIS auch Veränderungen in der Infrastruktur.
Für ihre Heimatstadt Koblenz haben die Schülerinnen Marie und Sophie Scholz nun das erste Ortungssystem speziell für Rollstuhlfahrer entwickelt. Es zeigt dem Nutzer eine rollstuhlfreundliche Route durch die City und informiert zusätzlich über Hindernisse, Straßenbelag, Steigungen, behindertengerechte Toiletten, Parkplätze und Restaurants. Und das mit handelsüblichen WLAN-tauglichen Endgeräten wie einem Smartphone oder einem PDA. Für die barrierefreie Navigation mittels WLAN ist im Grunde nur ein wenig Software nötig – und gepflegte Datenbanken, die die Informationen bereitstellen. Hoffentlich bald für viele weitere Städte.


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