Kann man Flugzeuge röntgen?

Michael Salamon hat die weltweit einzigartige XXL-Computertomographie am Fraunhofer-Entwicklungszentrum Röntgentechnik EZRT in Fürth, einem Bereich des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS, mit aufgebaut. Dort scannt er mit seinem Team große, oft spektakuläre Objekte und entwickelt neue Anwendungen für die Hochenergie-Computertomographie. #WeKnowHow

© Fraunhofer IIS / Kurt Fuchs
In der Hochenergiehalle sind zwei acht Meter hohe Manipulationstürme, ein Drehteller von drei Metern Durchmesser sowie drei Tonnen schwere Röntgenquellen und zwei Detektoren installiert.

Wilhelm Conrad Röntgen wäre stolz, wenn er die XXL-Computertomographie-Halle des Entwicklungszentrums Röntgentechnik EZRT in Fürth betreten würde. Nur hundert Kilometer entfernt von Würzburg, wo er vor 125 Jahren die Röntgenstrahlen entdeckte, haben seine Erben eine weltweit einzigartige Anlage geschaffen – die sie nun weiterentwickeln und in alle Welt exportieren wollen.

Salamon leitet die Arbeiten in der Hochenergieanlage, an deren Planung und Realisierung er maßgeblich beteiligt war. Jeder Teil der Anlage bedurfte einer eigenen Entwicklung. Von der Röntgenquelle, die etwa sechzigmal stärker ist als ihr medizinisches Pendant, bis zur 400 Quadratmeter großen Halle mit ihren bis zu drei Meter dicken Betonwänden.

Hier scannen Salamon und sein fünfköpfiges Team spektakuläre Objekte aus der ganzen Welt: antike Musikinstrumente, edle Ferraris oder einen Raketenjäger ME 163 Messerschmidt. »Am meisten fasziniert hat mich die Computertomographie des 1,50 Meter langen versteinerten Schädels eines Tyrannosaurus rex«, erzählt der 40-jährige Diplom-Ingenieur. »Wir haben sogar einen vorher nicht räumlich zuzuordnenden Knochen entdeckt.«

 

Wie verformt sich ein Auto beim Crashtest?

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© Fraunhofer IIS/Kurt Fuchs
Der vier Meter lange Zeilendetektor kann größere Strukturen abbilden.

Doch solche spektakulären Objekte sind nicht der Alltag. Den verbringen Salamon und seine Kolleginnen und Kollegen vor allem mit dem Scannen von Autos, die in Crashtests an die Wand gefahren wurden. Denn im Gegensatz zum manuellen Zerlegen der Fahrzeuge sehen die Automobilhersteller in den CT-Aufnahmen wesentlich genauer, wie sich die Bauteile verformt haben.

»Das Potenzial der Röntgentechnik ist noch längst nicht ausgeschöpft«, ist Salamon überzeugt. Den Grund dafür sieht er in der mangelnden Akzeptanz bei der Bevölkerung. Auch Unternehmen sind seiner Meinung nach viel zu zögerlich. Obwohl es gerade in der Produktion noch viele Einsatzmöglichkeiten gebe, zum Beispiel in der automatisierten Qualitätskontrolle von Bauteilen.

In der Luft- und Raumfahrt hat man die Vorteile der Röntgentechnik für die Qualitätskontrolle schon erkannt. »Wir entwickeln gerade mit der Hochenergie-Computertomographie spezielle Technologien, um zum Beispiel 3D-gedruckte Satelliten-Triebwerkskomponenten aus hochfesten Werkstoffen zu scannen«, erklärt Salamon. Dabei will sein Team eine Auflösung von einem zehntel Millimeter erreichen.

Warum braucht man Drive-through CT-Anlagen für Autos?

© Fraunhofer IIS/Kurt Fuchs
Das Röntgen kompletter Fahrzeuge soll in Zukunft eine Drive-through-Anlage übernehmen.

Ein Projekt liegt dem Leiter der Hochenergieanlage besonders am Herzen: Die Konstruktion einer kompakten Drive-through Anlage zum Scannen von Autos. Zurzeit baut seine Gruppe für die Technische Universität Kaiserslautern einen Prototyp für kleinere Teile. Dann soll die Technologie zusammen mit Partnern für ganze Fahrzeuge realisiert werden. Salamon sieht in der wachsenden Elektromobilität einen wichtigen Markt: »Das CT ist hervorragend geeignet, um an Unfallfahrzeugen die Beschädigung der Batterie zu untersuchen. Mit anderen Verfahren ist das kaum möglich.« Dabei hat er eine klare Vision: »Immer mehr Kfz-Prüfanstalten werden solche Drive-through CT-Anlagen benötigen – nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt.«

 

Den Beitrag erstellte Christine Broll.

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