Wie verteilt man knappe Schutzausrüstung in den Corona-Krisenzeiten fair und schnell?

Dr. Roland Fischer, Geschäftsführer der Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer IIS, und Markus Weissenbäck, Projektleiter im Projekt FACE, schildern, wie eine schnelle und gerechte Verteilung von medizinischen Schutzgütern funktioniert, die mathematische Methoden nutzt. #WeKnowHow

© Sherry Young - adobe.stock.com

»Es fehlte eigentlich an allem«, fasst Markus Weissenbäck die Situation im Nürnberger Land zur Corona-Pandemiezeit zusammen. Der Mathematiker leitet das Projekt FACE (Fair and Fast Allocation of Scarce Protection Equipment) am Fraunhofer IIS in der Arbeitsgruppe für Supply Chain Services. Die Expertinnen und Experten haben ein anwenderfreundliches Tool entwickelt, das die Verteilung knapper Schutzausrüstung schneller, fairer und transparenter macht. Auch wenn Weissenbäck bei der Namensgebung des Projektes zuerst an Gesichter dachte, die Masken benötigen, geht es bei FACE auch um Desinfektionsmittel, Handschuhe oder andere Schutzausrüstungen wie Einmalkittel oder Visiere. 

Wer bekommt knappe Güter als Erster in der Pandemiezeit?

Mit an vorderster Front in der Covid-19-Zeit im Nürnberger Land hilft auch der Fraunhofer-Forscher Dr. Roland Fischer als Kommandant der Feuerwehr an Ort und Stelle. Der Geschäftsführer der Fraunhofer-Arbeitsgruppe SCS erstellte vor Ort mit anderen ehrenamtlich Helfenden zuerst manuell Tabellen, um die Verteilung zu koordinieren. Schnell aber initiierte er FACE, denn es war klar, dass dieses langsame und aufwendige Verfahren optimiert werden musste. Oft mussten möglichst gerechte Entscheidungen getroffen werden, wenn nur eine von zehn benötigten Paletten mit Schutzausrüstungen an Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen oder Ärztinnen und Ärtze verteilt werden sollte. Mit der Fraunhofer-Webanwendung FACE haben sie so einen mathematischen Lösungssatz erstellt, der auf ganzzahliger Optimierung basiert, ein mathematisches Hilfsmittel, mit dem logistische Probleme gelöst werden können. Dabei bekommt beispielsweise ein Krankenhaus, das an erster Stelle bei der Versorgung mit kritischen Gütern steht, nicht sofort alles, sondern planvoll gestaffelt nach einer vorab definierten Logik. 

Alle Bundesländer können von FACE profitieren

Die Webanwendung FACE kann an jede andere der 90 Kreisverwaltungsbehörden in Bayern weitergegeben werden. Sie kann aber auch auf alle anderen Bundesländer mit ihren jeweils spezifischen Regelungen übertragen werden um knappe Ressourcen effizient und fair zu verteilen.

 

Beitrag von Dr. Katja Engel

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