Der richtige Riecher

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Im »Campus der Sinne Erlangen« werden gemeinsam mit Unternehmen menschliche Sinneswahrnehmungen erforscht und digital umgesetzt.

Menschliche Sinneswahrnehmungen werden im »Campus der Sinne Erlangen« digital.

Mehr als 5 Prozent der Deutschen leiden an Geruchs- und Geschmacksstörungen, die unter anderem durch Infektionskrankheiten entstehen. Sie können beispielsweise nicht mehr feststellen, ob Milch, die für das Auge zunächst genießbar erscheint, bereits sauer und verdorben ist. Ein Hilfsgerät, wie eine »Brille« für das Riechorgan oder die Zunge, würde hier Abhilfe schaffen.

Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) werden wir die menschlichen Sinne wie Sehen und Hören, aber vor allem auch das Riechen und Schmecken digital erfassen. Maschinelle Systeme können somit Menschen helfen, mögliche Gefahren und Risiken in ihrer Umwelt bewusster wahrzunehmen und besser darauf zu reagieren.

Die menschlichen Sinne sind bisher vor allem hinsichtlich ihrer gegenseitigen Beeinflussung, etwa vom Riechen und Hören, noch nicht ausreichend verstanden. Wie wirken Bilder und Videos, wenn ich einen bestimmten Geruch in der Nase habe? Und was ändert sich, wenn der Geruch wechselt? Solche Fragen sollen durch die Arbeit am »Campus der Sinne Erlangen« beantwortet werden.

Für Unternehmen und Start-ups aus nahezu allen Branchen bietet der Campus eine Chance, neue Technologien und Dienstleistungen zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit uns können Firmen Methoden und Technologien zur Erfassung und Interpretation menschlicher Sinne generieren oder Reaktionen auf solche Sinneseindrücke bewerten.

In den kommenden fünf Jahren werden drei Laboratorien mit unterschiedlichen Leistungsschwerpunkten sowie eine koordinierende Geschäftsstelle aufgebaut. Aufgrund des großen Leistungsspektrums der beteiligten Forschungspartner können wir in unterschiedlichsten Disziplinen wie Ingenieurwissenschaften, Medizin, Chemie und Neurowissenschaften über die Fachgrenzen hinaus gemeinsame Forschungen zur digitalen Umsetzung der menschlichen Sinneswahrnehmung betreiben. Ziel ist es, mit der Industrie interdisziplinäre Kompetenzen zu entwickeln, Wissen aufzubauen und einen Technologietransfer im Bereich der digitalisierten Sensorik voranzutreiben.