Fraunhofer IIS trägt zum Emmy® prämierten MPEG CMAF Standard bei
Audio- und Videocodecs kennt jeder, aber wer weiß schon, wie viele weitere Technologien benötigt werden, um Audio- oder Video-Streaming zu ermöglichen? Eine solche, mehrheitlich unbekannte, aber dennoch unentbehrliche Technologie ist das Common Media Application Format (CMAF), entwickelt von der führenden Standardisierungsorganisation im Medienbereich: MPEG (Moving Picture Experts Group). Die MPEG Systems Gruppe wurde Anfang Dezember dafür mit dem Technology & Engineering Emmy® Award ausgezeichnet. Kollegen des Fraunhofer IIS haben maßgeblich zur Entwicklung im Rahmen der MPEG Systems Working Group beigetragen. Die Preisträger nahmen die begehrte goldene Trophäe am 4. Dezember in New York entgegen.
Das Common Media Application Format wurde von der ISO/IEC SC 29 WG 11 (MPEG) entwickelt, um die damals stark fragmentierte Streaming-Landschaft zu vereinheitlichen. In den 2010er-Jahren, mussten Anbieter ihre Inhalte mehrfach kodieren und verpacken, je nachdem, welches Streaming Protokoll sie nutzen wollten und auf welchen Geräten der Inhalt wiedergegeben werden sollte. Mit CMAF gehört dieser Aufwand der Vergangenheit an. CMAF definiert ein einheitliches Containerformat auf Basis segmentierter MP4-Dateien sowie standardisierte Kodierungsvorgaben für eingebettete Mediencodecs (AVC, HEVC, xHE-AAC, MPEG-H Audio u. a.). Zusätzliche Vorgaben am Container ermöglichen Funktionen wie Umschalten, Splicing und adaptives Streaming. Auf diese Weise können dieselben Dateien über unterschiedliche Streaming-Protokolle übertragen werden – ohne erneutes Kodieren oder Verpacken. Das senkt die Betriebskosten von Streamingdiensten (z. B. für CDNs), vereinfacht Workflows und erhöht die Kompatibilität über Geräte hinweg. Heute setzen Unternehmen wie Netflix, Disney+ oder Hulu – neben vielen anderen – CMAF erfolgreich in ihrer Produktions- und Distributionspipeline ein.
Fraunhofer IIS war seit Beginn an der Standardisierung von CMAF beteiligt. Als Co-Editor des CMAF-Standards und dessen Erweiterungen lieferte das Fraunhofer-Team sämtliche Medienprofile für die Audioformate AAC, xHE-AAC und MPEG-H Audio und stellte sicher, dass alle MPEG-Audiocodecs optimal für adaptive Streaming-Dienste mit CMAF geeignet sind. Diese Arbeit erforderte enge Zusammenarbeit der Expertinnen und Experten über viele MPEG-Treffen hinweg – in zahlreichen Ländern und oft bis spät in die Nacht, bis schließlich Konsens erzielt werden konnte.
Während der Preisverleihung am 4. Dezember in New York City nahm Ingo Hofmann, Leiter der Multimedia-Transportgruppe am Fraunhofer IIS, den Emmy stellvertretend für das gesamte Fraunhofer-Team entgegen, das zur Definition von CMAF beigetragen hat.
MPEG wurde von der National Academy of Television Arts & Sciences (NATAS) bereits sechs Mal mit dem Technology & Engineering Emmy® Award ausgezeichnet. Damit rückten Technologien ins verdiente Rampenlicht, ohne die unser heutiges problemloses AV-Streaming nicht möglich wäre. Bei mehreren dieser Entwicklungen spielte Fraunhofer eine zentrale Rolle und gestaltete damit die technischen Grundlagen für Streaming und digitalen Rundfunk weltweit maßgeblich mit.
Weitere Informationen kann man in der MPEG-Pressemitteilung nachlesen.
Bereits im September erhielten die Bewegtbildexperten des Fraunhofer IIS den EMMY® Award for engineering, science and technology der Academy of Television Arts & Science (ATAS) für die Entwicklung und Umsetzung des JPEG XS Video-Codecs. Dieser zukunftsweisende Standard für professionelle Videoproduktion ermöglicht die Übertragung von nahezu verlustlosen Videos über Standard Internet Protokoll für eine große Anzahl an Anwendungen in der Medien- und Studiotechnik und ermöglicht auch die Echtzeit-Videoverarbeitung z.B. in Cloud-Computerzentren. Damit gingen in diesem Jahr ein sogenannter Daytime-Emmy und ein sogenannter Primetime-Emmy nach Franken.