Ausstellung  /  26.11.2013  -  30.5.2014

»Art & Technology« II

Das Ausstellungsszenario »Fraunhofers Backbone« adressiert Unschärfen der Übersetzungen in den Feldern Kunst und Technologie: der digitale Transfer von Malerei [Josef von Fraunhofer] visualisiert durch die Verwendung von Rückenmarkzellen als Primitiv-Elemente für eine neue Abbildung nicht nur eine digitale Erscheinungsform, sondern öffnet einen erzählerischen Deutungsspielraum. Fraunhofers erfi nderische Gabe wird Leitmotiv der Verwischung von Gattungsgrenzen und umfassender Kreativität, in der Computer als Spielmaschinen durch die Veränderung von Regeln neue Welten aufgehen lassen, die herkömmliche Koordinaten zu einem nicht hintergehbaren Pluralismus und einem Denken in Szenarien verschieben.

Während sich Ausdrucksformen und Techniken der Kunst mit der Fotografi e in der bildenden Kunst stark erweitert haben, verliert klassische Einteilung spätestens seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Kunstgattungen wie die Installation oder der Bereich der Medienkunst kennen die klassische Grundeinteilung nicht mehr. War Ästhetik bis zum 19. Jahrhundert vor allem die Lehre von der wahrnehmbaren Schönheit, von Gesetzmäßig keiten und Harmonie in der Natur und Kunst, wird der Ausdruck ästhetisch heute meist als Synonym für »schön«, »geschmackvoll« oder »ansprechend« verwendet. So galt Schönheit lange Zeit als entscheidendes binäres Kriterium für das, was zur Kunst gehört, ist sie heute nur ein denkbares Programm, im Rahmen dessen neue Formerfi ndungen anschlussfähig sind.

In diesem Sinne bespielt technische Bildgebung eine unscharfe Übergangszone zwischen Technologie und Ästhetik. Die Ausstellung »Fraunhofer’s Backbone« spricht dieses Potenzial als Spuren technologischer Bildelemente in ihrer ästhetischen Anschlussfähigkeit an und spielt Narration und technologische Darstellung gegeneinander aus. Gezeigt werden Bildverfahren, die Ästhetik außerhalb ihrer Funktion entfalten und von dort aus Fragen in ein offenes Kunstfeld stellen, in dem Betrachter zu deutenden Akteuren werden können.