Innovationswettbewerb Medizintechnik: Knochenmark-Forschungsprojekt ausgezeichnet

Presseinformation / 28.10.2010

Das Fraunhofer-Forschungsprojekt »Automatisierte, morphologische Analyse von Knochenmarkspräparaten für die Leukämie-Diagnostik« hat einen der Innovationspreise Medizintechnik 2010 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gewonnen. Innerhalb des Projekts soll ein Mikroskop-System zur standardisierten Klassifizierung von Knochenmarkzellen entwickelt werden.

Für die Diagnose von Krankheiten wie z. B. Leukämie wird das Knochenmark der Patienten untersucht. Bisher ist die Beurteilung von Knochenmarkzellen unter dem Mikroskop für die Laborangestellten zeitaufwändig und anstrengend. Zudem setzt die visuelle Beurteilung große Erfahrung voraus, da die Zellen oft dicht gepackt liegen und ihre Unterschiede teilweise nur schwer sichtbar sind.

Mit dem neuen System des Fraunhofer IIS soll die Untersuchung von Knochenmarkzellen erleichtert und standardisiert werden. Ein automatisiertes Mikroskop ermöglicht erstmals die Analyse und Dokumentation von Knochenmarkausstrichen. Dazu werden die Präparate künftig digitalisiert, die Ergebnisse auf einen Computer übertragen und innerhalb von zwei bis drei Minuten mit einem neuartigen Verfahren vorklassifiziert. Die innovative Technologie, basierend auf Algorithmen zur automatischen Bildanalyse, kann auch komplexe Knochenmarkzellen und ähnlich aussehende Stammzellen bewerten.

Mit Hilfe einer validierten Datenbank von über 1.000 digitalisierten Präparaten werden die Ergebnisse im direkten Vergleich überprüft. Dabei handelt es sich bei dem Mikroskop- System um eine reine Diagnoseunterstützung; die Beurteilung der Ergebnisse und medizinische Empfehlungen unterliegen weiterhin den Experten. Die zeitraubende und ermüdende Auszählung und Analyse der Einzelzellen aber soll den Laborärzten durch das System abgenommen werden.

Gemeinsam mit zwei Partnern aus der Industrie wird das Fraunhofer IIS das Mikroskop-System entwickeln: Das Münchner Leukämielabor MLL unterstützt die Fraunhofer- Forscher mit medizinischem Fachwissen, die Horn Imaging GmbH aus Aalen wird sich um die Herstellung der Systeme kümmern.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung führt seit 1999 jährlich den Innovationswettbewerb zur Förderung der Medizintechnik durch. Für das Fraunhofer IIS nahm Dr. Christian Münzenmayer, Gruppenleiter Medizinische Bildverarbeitung, die Urkunde entgegen: »Wir freuen uns über diese Auszeichnung und die damit verbundene Möglichkeit den Laborärzten ein echtes Hilfsmittel zu entwickeln und an die Hand geben zu können«, so Dr. Münzenmayer in Berlin. Ausgezeichnet werden neuartige Forschungsansätze für die Anwendung in der Gesundheitsversorgung für den Menschen. Diese werden mit einem Projektvolumen von jeweils ca. 400.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert. Ziel ist es, den Weg von der Idee zu einem medizinisch nutzbaren und wirtschaftlich umsetzbaren Produkt zu beschleunigen. Der Wettbewerb ist Teil des Gesundheitsforschungsprogramms der Bundesregierung.

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