Nachruf Prof. Dr. Hans Georg Musmann
Das Fraunhofer IIS trauert um Prof. Dr.-Ing. Hans‑Georg Musmann, der am 27. Dezember im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die Fachwelt einen Pionier der Audiocodierung, dessen wissenschaftliche Arbeiten maßgeblich zur Entstehung des am Fraunhofer IIS entwickelten mp3‑Standards beigetragen haben. Seine grundlegenden Arbeiten über Quellencodierung und seine Forschung zu effizienten Codierverfahren für Audio- und Videosignale schufen zentrale Grundlagen für die datenreduzierte Übertragung von Inhalten bei gleichzeitig hoher Qualität.
Als langjähriger Leiter des Instituts für Theoretische Nachrichtentechnik und Informationsverarbeitung an der Leibniz Universität Hannover prägte Prof. Musmann eine ganze Generation von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Viele von ihnen wirkten später in der Standardisierung von Audiocodecs mit und trugen die von ihm geprägten Ideen weiter in Wissenschaft und Industrie. Davon zu nennen ist zum Beispiel Bernd Edler, dessen Doktorvater Musmann war und der heute Professor für Audiosignalanalyse an den International Audio Laboratories Erlangen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ist.
Eine besondere Rolle spielte das Engagement von Prof. Musmann in der internationalen Standardisierung: Als Chair der ISO-MPEG Audiogruppe führte er Expertenteams aus aller Welt zusammen und verantwortete zentrale Entscheidungen bei der Entstehung von MPEG-Audioformaten wie dem mp3‑Standard. In diesem Gremium setzte er konsequent auf wissenschaftliche Exzellenz, transparente Evaluierung und die beste technische Lösung. Besonders erwähnenswert ist das diplomatische Geschick, mit dem Prof. Musmann zu Kompromissen motivierte, die möglichst keine oder nur sehr geringe Einbußen brachten und letztlich von allen akzeptiert wurden.
Das Fraunhofer IIS wird Prof. Hans‑Georg Musmann als visionären Wissenschaftler, sorgfältigen Analytiker und engagierten Gestalter internationaler Standardisierung in dankbarer Erinnerung behalten. Sein wissenschaftliches Erbe wirkt in jedem digital übertragenen Musikstück und in der fortlaufenden Weiterentwicklung von Audiocodierverfahren am Standort Erlangen weiter.