Entwurf und Optimierung von LEO-Satellitenkonstellationen

Megakonstellationen: eine Frage der Planung

Große Satellitenkonstellationen bestehen aus vielen kleinen Satelliten in niedriger Umlaufbahn (Low Earth Orbit – LEO). Ihre Mission: den wachsenden Bedarf an Internetverbindungen in abgelegenen Regionen, auf Schiffen und in Flugzeugen zu bedienen. Sie ermöglichen nicht nur direkte Verbindungen zwischen Satelliten und Endgeräten (Direct-to-Device), sondern auch die Kommunikation zwischen einzelnen Nutzern (User-to-User). Dies erlaubt eine sichere, zuverlässige und globale Abdeckung via Satellit – selbst in entlegensten Regionen. Bei der Entwicklung solcher Megakonstellationen im nicht-geostationären Orbit (NGSO) kommt es deshalb darauf an, das Systemdesign effizient an die Nutzeranforderungen anzupassen, mit Interferenzen umzugehen und die Betriebsparameter fein abzustimmen:

Systemeffizienz

Je besser die Flugbahnen und die Anzahl der Satelliten auf die Nachfrage am Boden abgestimmt sind, desto rentabler das LEO-System. Abhängig vom Zeitplan für Satellitenstarts und Endgeräteentwicklung, müssen Konstellationen schrittweise aufgebaut und im Verlauf angepasst werden.

Koexistenzmanagement

Neue Konstellationen müssen mit Hunderten GEO- und Tausenden LEO-Satelliten koexistieren. Präzises Interferenzmanagement muss dabei die Selbstinterferenz eines Systems genauso im Blick behalten wie die Koordination mit anderen Betreibern.

Betriebliche Optimierung

Betriebsparameter wie das Beam Steering und die Sendeleistung müssen optimal angepasst werden – das Ziel: maximale Kapazität, minimale Interferenzen. Gleichzeitig sorgt effizientes Datenrouting zwischen Satelliten und Bodenstationen für mehr Durchsatz und geringe Latenz.

Systemkonzepte planen, simulieren und optimieren

Um die Performance einer Satellitenkonstellation auf verschiedenste Effizienz-, Regulierungs- und Betriebsanforderungen zuzuschneiden, sind detaillierte Systemsimulationen unerlässlich. Doch obwohl es zahlreiche kommerzielle und Open-Source-Tools gibt, die die Simulation, Analyse und Optimierung von Satellitensystemen unterstützen, deckt keines alle relevanten Aspekte ab.

Unsere eigens entwickelte Simulationsplattform ConSim geht hier einen Schritt weiter, nimmt das große Ganze in den Blick und ermöglicht es uns, präzise virtuelle Modelle von geplanten oder bestehenden Satellitenkonstellationen zu erstellen. Mit ConSim führen wir eine Vielzahl umfassender und integrierter Simulationen durch, die sich auf Orbitalparameter, Link Budgets, die Systemkapazität und die Netzwerkeffizienz konzentrieren.

Schematische Darstellung der Funktionen von ConSim
© Fraunhofer IIS

Modellierungs- und Evaluierungsoptionen

Konstellationsmodellierung von Satellitenpositionen und -pfaden
© Kartenmaterial von OpenStreetMap, https://www.openstreetmap.org/copyright

Konstellationsmodellierung von Satellitenpositionen und -pfaden

Modellierung von bestehenden und geplanten Systemen

 

Mit ConSim erstellen wir detaillierte Modelle für NGSO-Konstellationen, die Hunderte bis Tausende von Satelliten über mehrere Orbits hinweg berücksichtigen. Wir simulieren die Positionen und Flugbahnen der Satelliten und kombinieren diese zu einem Gesamtbild, das grundlegende Einblicke in Abdeckungsmuster und die Dynamik des Zusammenspiels von Satelliten im Orbit eröffnet.

Mit umfassenden Visualisierungsoptionen machen wir das Konstellationsdesign greifbar und unterstützen dadurch die strategische Planung und den Einsatz von Satellitennetzen.

Durch die Möglichkeit, Daten der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) und TLE-Dateien (Two-Line Element) zu importieren bilden wir bestehende Satellitenkonfigurationen genau und flexibel ab. Darüber hinaus können wir völlig neue Konstellationen entwerfen, die spezifische Anforderungen erfüllen.

Analyse des Träger-Rausch-Verhältnisses (C/N) in dB
© Kartenmaterial von OpenStreetMap, https://www.openstreetmap.org/copyright

Analyse des Träger-Rausch-Verhältnisses (C/N) in dB

 

Link-Budget-Berechnungen stellen alle relevanten Signalgewinne und -verluste entlang der Übertragungsstrecke gegenüber und zeigen, wie gut eine Satellitenverbindung funktioniert. Sie erleichtern allen, die an der Entwicklung eines LEO-Systems beteiligt sind, die Entscheidungsfindung bei Fragen rund um das Systemdesign und bestimmte betriebliche Aspekte. Um die Kommunikationsverbindungen präzise zu simulieren, berücksichtigen wir atmosphärische Bedingungen, Beeinträchtigungen der Satellitennutzlast, Antenneneigenschaften und Co-/Cross-Pol-Interferenzeffekte zwischen Satelliten oder Satelliten-Beams.

Um die regulatorische Konformität zu bewerten und die Datenübertragung entsprechend zu optimieren, führen wir Berechnungen der äquivalenten Leistungsflussdichte (EPFD) gemäß Artikel 22 der ITU Radio Regulations durch. Damit stellen wir die ungestörte Koexistenz zwischen geostationären und nicht-geostationären (GSO/NGSO) Satellitensystemen sicher.

Analyse des Breitbandbedarfs über Satellit in Mbps/km²
© Kartenmaterial von OpenStreetMap, https://www.openstreetmap.org/copyright

Analyse des Breitbandbedarfs über Satellit in Mbps/km²

Abgleich von Angebot und Nachfrage

 

Um die Nachfrage der Endnutzer mit der verfügbaren Systemkapazität in Einklang zu bringen, simulieren wir den gesamten Kapazitätsbedarf und den entsprechenden Datenfluss durch ein vorhandenes oder geplantes Satellitensystem. Dabei berücksichtigen wir die geografische Verteilung der Nutzer und Gateways, die Nutzeraktivitäten, die Menge und Charakteristik der übertragenen Daten sowie spezifische Sicherheitsanforderungen. Dazu gehören zum Beispiel Beschränkungen für das Routing, wenn Daten einen bestimmten geografischen Raum nicht verlassen dürfen.

In unseren Simulationen mit ConSim werden die Nutzeranforderungen effizient spezifischen Satelliten-Links zugeordnet und die Daten entsprechend virtuell geroutet. So kann die Ressourcenzuweisung innerhalb eines Satellitennetzes optimiert und die Netzkonfiguration an sich ändernde Anforderungen angepasst werden.

Detaillierte Visualisierungen und Analysen liefern wertvolle Einblicke in die Dynamik von Angebot und Nachfrage, die dabei helfen, das Netz zu skalieren und seine Leistung zu nach oben zu schrauben.

Schematisches Beispiel für die Modellierung von Nutzlastbeeinträchtigungen
© Fraunhofer IIS

Beispiel für die Modellierung von Nutzlastbeeinträchtigungen

Funkressourcenmanagement für verbesserte Netzwerkeffizienz

 

Funkressourcenmanagement (RMM) regelt die Koordination und Zuweisung der begrenzten Funkressourcen in einem Satellitennetz. Ziel ist es, die Satelliten-Beams, die Sendeleistung, den Zeitpunkt der Übertragung und das Routing der Daten so anzupassen, dass eine möglichst effiziente Netzauslastung erreicht wird.

Mit ConSim können wir Einblicke in die Gesamtsystemleistung und einzelne Parameter geben und diese in Statistiken und Key Performance Indicators (KPIs) umsetzen. Durch deren Visulisierung in Form von Histogrammen, Diagrammen, statischem Kartenmaterial und Videos entstehen greifbare und präsentierbare Ergebnisse.

In einem iterativen Optimierungsprozess können die Betriebsparameter durch Simulationen genau abgestimmt werden, bis eine ideale Konfiguration gefunden ist. Auf diese Weise können wir auch bei sich wandelnden Anforderungen an ein System entsprechende Änderungen am Konstellationsdesign vornehmen.

Simulationen und Beratung für LEO-Konstellationen

Consulting rund um das Konstellationsdesign

 

Gewinnen Sie Einblicke in optimale Satellitenkonfigurationen und Abdeckungsmuster, die wir im Rahmen unserer wissenschaftlichen Beratung beim Entwurf von Satellitenkonstellation ermitteln.

Diese strategische Orientierung hilft bei der Planung eines effektiven Netzaufbaus.

Bewertung der Systemkapazität

 

Sie erhalten detaillierte Bewertungen der verfügbaren Satellitenkapazität, die auf genauen und realistischen Berechnungen der Link Budgets und Interferenzeffekte beruhen.

Unsere Simulationen unterstützen die Planung robuster Kommunikationsverbindungen und ermöglichen ein effizientes Kapazitätsmanagement.

Operativer und
regulatorischer Support

 

Lassen Sie sich von uns durch die Herausforderungen der EPFD-Analyse, des Interferenz- und Koexistenzmanagements führen.

Unsere Simulationen stellen sicher, dass die regulatorischen Standards eingehalten werden, und helfen bei der Optimierung von Systemeinstellungen für einen maximal effizienten Betrieb des Satellitensystems.

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