Kurzmeldungen

40 Jahre Fraunhofer IIS – 30 Jahre ».mp3«

Am 1. Juli 1985 übernahm die Fraunhofer-Gesellschaft die ZMI GmbH als Abteilung »Angewandte Elektronik« in die neu eingerichtete Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Integrierte Schaltungen AIS in Erlangen – die heutigen Institute Fraunhofer IIS und Fraunhofer IISB. Von Beginn an bestand eine enge Zusammenarbeit mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Leiter der Arbeitsgruppe wurde Prof. Dieter Seitzer, Inhaber des Lehrstuhls für Technische Elektronik an der FAU, der zum ersten Institutsleiter des Fraunhofer IIS wurde.

Prof. Seitzer war es auch, der mit seiner Idee, Musik über Telefonleitungen zu übertragen, den Grundstein für die weit bekannteste Entwicklung des Fraunhofer IIS legte: das mp3-Format. Die Technologie hinter diesen drei Zeichen ist heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Am 14. Juli 2025 feierte die Dateiendung ».mp3« ihr 30-jähriges Bestehen. Zum Kernteam der Entwicklung zählen auch Prof. Heinz Gerhäuser, später Nachfolger von Prof. Seitzer, und Prof. Bernhard Grill, der heute gemeinsam mit Prof. Alexander Martin, Prof. Albert Heuberger und Prof. Giovanni Del Galdo die Institutsleitung des Fraunhofer IIS bildet.

Am Institut entstanden nach mp3 noch zahlreiche weitere Audioformate wie AAC / xHE-AAC, EVS und MPEG-H, die weltweit genauso erfolgreich sind.

2025 feierten wir 30 Jahre .mp3 und 40 Jahre Fraunhofer IIS. Wir blicken zurück auf unzählige innovative Ideen und bahnbrechende Entwicklungen, wie den 3D-Hall-Magnetfeldsensor für die berührungslose Positionsmessung von magnetisierten Bauteilen – z. B. in der Waschmaschine oder im Joystick. Auch die täuschungssichere Satellitennavigation mit Galileo PRS oder die XXL-Computertomographie entstanden am Fraunhofer IIS und sind heute unverzichtbar für die Sicherheit und Industrie in Deutschland und darüber hinaus. Wir sind sehr stolz auf die Arbeit unserer Forschungsteams und blicken gespannt auf all die kreativen Lösungen und spannenden Projekte in der Zukunft.

Giovanni Del Galdo verstärkt Institutsleitung

Institutsleiter Prof. Giovanni del Galdo
© Fraunhofer IIS / Torsten Hönig
Institutsleiter Prof. Giovanni del Galdo

Zum 1. November erweiterte Prof. Giovanni Del Galdo die kollegiale Leitung unseres Instituts. Zeitgleich wurde er zum Professor für Informationstechnik und Elektronik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ernannt und stärkt damit weiter die enge Kooperation dieser beiden wichtigen Forschungseinrichtungen in der Metropolregion Nürnberg.

Am Fraunhofer IIS übernimmt er von Prof. Albert Heuberger die Verantwortung für die Bereiche Entwicklungszentrum Röntgentechnik, Institutsteil Entwicklung Adaptiver Systeme, Kommunikationssysteme sowie Smart Sensing and Electronics.

Prof. Del Galdo bringt 18 Jahre Erfahrung am Fraunhofer IIS mit, zuletzt als Leiter der Abteilung Elektronische Messtechnik und Signalverarbeitung am Standort Ilmenau. Seine Expertise in Mikroelektronik, Sensorik, Signalverarbeitung und Datenübertragung stärkt die strategische Ausrichtung unseres Instituts. Gemeinsam mit den anderen Institutsleitern Prof. Albert Heuberger, Prof. Bernhard Grill und Prof. Alexander Martin wird er die bestehende Exzellenz am Fraunhofer IIS sichern und die übergreifende Zusammenarbeit noch weiter stärken.

JPEG XS: Preisgekrönter Videocodec

Für die Entwicklung des Videocodecs JPEG XS wurde unser Forscherteam 2025 gleich zweifach geehrt: mit dem Engineering, Science & Technology Emmy® Award sowie dem Joseph-von-Fraunhofer-Preis.

Die Auszeichnungen würdigen eine Technologie, die zentrale Herausforderungen unserer digitalisierten Welt löst: Die Datenmengen steigen durch den Bedarf an hochauflösenden Videos stetig an. Bisherige Verfahren zur Videokompression stoßen insbesondere in der Produktion von Videodaten an ihre Grenzen, verursachen Verzögerungen oder Qualitätsverluste. Diese Problematik wird mit JPEG XS gelöst. Der Codec überträgt Videodaten nahezu verlustfrei und ohne Verzögerung über Standard-Netzwerkverbindungen wie Ethernet: wichtige Faktoren für Fernsehschaffende bei Live-Übertragungen hochaufgelöster Originaldaten – von HD bis 8K, von der Kamera bis zum sendebereiten Video.

Der Nutzen reicht jedoch weit über die Film- und Fernsehbranche hinaus. In der industriellen Fertigung können Kamerasysteme zur Qualitätskontrolle Bilder in Echtzeit an zentrale Analysesysteme senden. Auch für das autonome Fahren ist die verzögerungsfreie Übertragung von Kameradaten entscheidend.

Mit JPEG XS haben wir einen internationalen Standard mitgestaltet, der zukunftsweisende Anwendungen effizienter, flexibler und ressourcenschonender macht.

Emmy Gruppenbild
© Fraunhofer IIS / Jennifer Reissig

Robo CT: 3D-Blick in Großbauteile

ROBO CT
© Fraunhofer IIS / Paul Pulkert

Mit RoboCT prüfen wir große, komplexe Bauteile zerstörungsfrei per Röntgen und 3D-Computertomographie. In der Automobil- und Luftfahrt passen Komponenten wie Türen, Seitenrahmen oder Rumpfsegmente oft nicht in klassische CT-Anlagen; bislang waren vollständige 3D-Analysen nur mit hohem Aufwand im Labor möglich. Unsere Lösung: Kooperierende Industrieroboter bewegen Röntgenquelle und Detektor kontrolliert um das Objekt. So entstehen Daten bis in den Mikrometerbereich – am gesamten Bauteil oder gezielt in Teilbereichen.

Weil Roboter mechanisch nur begrenzt genau arbeiten, gleichen wir die Bewegungen software-seitig aus: KI-gestützte Algorithmen korrigieren Abweichungen und stabilisieren die Rekonstruktion. Dadurch prüfen wir ohne Demontage, verkürzen Entwicklungszeiten und unterstützen die Qualitätssicherung in der Serie.

RoboCT entstand am Entwicklungszentrum Rönt-gentechnik des Fraunhofer IIS zunächst für die Luft und Raumfahrt; heute setzen wir die Technologie branchenübergreifend ein. Derzeit liegt der Fokus auf Antriebsbatterien von Elektrofahrzeugen, hier konnten wir 2025 einen enormen Anstieg des Interesses von Industriekunden registrieren. RoboCT ermöglicht einen Blick ins Zell- und Modulinnere, stärkt die Sicherheitsbewertung und eine ressourcenschonende Produktion. Auch Demontage- und Recyclingstrategien lassen sich mit dem zerstörungsfreien Blick ins Innere ableiten.

Generative KI in der Signalverarbeitung

Im Januar 2025 startete das Projekt »Digitale Signalverarbeitung mittels generativer Künstlicher Intelligenz« (DSgenAI) unter unserer Leitung. Bis Ende 2028 wollen wir neue KI-Lösungen für Sprachmodelle, Audiocodecs und 6G-Mobilfunksysteme vorantreiben. Dabei ist ein zentrales Anliegen die Realisierung und Beherrschung von digitaler Signalverarbeitung mittels generativer KI, die auf selbst entwickelten Modellen basiert und mit verifizierten Daten trainiert wird. Denn nur so kann technologische Souveränität nach europäischen Maßstäben und Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und China entstehen.

Dafür bündeln drei bayerische Fraunhofer-Institute ihre Expertise: Am Fraunhofer IIS fokussieren wir uns auf energieeffiziente KI-Anwendungen für mobile Geräte, das Fraunhofer IKS konzentriert sich auf verlässliche KI-Systeme und das Fraunhofer AISEC setzt den Schwerpunkt auf Cybersicherheit und vertrauenswürdige KI-Infrastrukturen.

Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie fördert das Projekt mit knapp 15 Mio. € – zusätzlich investiert Fraunhofer die gleiche Summe aus Eigenmitteln.

DSgenAI Gruppenbild
© Fraunhofer IIS / Paul Pulkert

Lama – laden am Arbeitsplatz

Laden am Arbeitsplatz
© Fraunhofer IIS

2025 wurde an den Standorten Erlangen, Nürnberg und Fürth die neue Ladesäuleninfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Betrieb genommen. Im Projekt LamA – Laden am Arbeitsplatz können seitdem Dienstwagen sowie die E-Autos von Mitarbeitenden und Gästen direkt am Institut aufgeladen werden.

 

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