Vernetzte mobile Robotik

Mobile Robotik spielt eine immer größere Rolle in Fertigung und Intralogistik. Damit jedoch autonome mobile Roboter (AMR), fahrerlose Transportsysteme (FTS/AGV) oder Drohnen zuverlässig, sicher und effizient zusammenarbeiten, ist eine stabile und resiliente Vernetzung entscheidend. Unser Ziel ist es, mobile Systeme – von der kleinsten Flotte bis zum größten Schwarm – absolut zuverlässig zu vernetzen. In verschiedenen Projekten untersuchen wir deshalb Möglichkeiten, die Vernetzung in der automatisierten Fabrik erheblich zu verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei die dezentrale Vernetzung, mit der sich Roboter- und Drohnenschwärme selbst organisieren, um ihre Aufgaben autonom auszuführen. Darüber hinaus nutzen wir intelligente Kombinationen verschiedener Funktechnologien (Multi-RAT) als wichtigen Enabler resilienter Kommunikationssysteme.

Bei der Entwicklung von Lösungen für Systeme mit vielen mobilen Einheiten in einer Halle oder auf einem Gelände behalten wir folgende Herausforderungen im Blick:

Koordination

Wie lassen sich Roboter, Fahrzeuge und Drohnen in größeren Schwärmen störungsfrei und flüssig orchestrieren?

 

Flexibilität

Wie muss das Funksystem ausgelegt sein, um mit wechselnden Teilnehmern, variablen Teilnehmerdichten und sich ändernden Netztopologien umgehen zu können?

 

Skalierbarkeit

Wie können Engpässe oder Ausfälle bei einer wachsenden Zahl von Geräten vermieden werden?

 

Handover

Wie lassen sich strenge Verzögerungsgrenzen auch beim Wechsel in andere Funkzellen zuverlässig einhalten?

 

Umgebungsinterkation

Wie können Rolltore, Aufzüge oder andere Anlagen sinnvoll in die Kommunikation integriert werden?

Stark im Schwarm: dezentrale Vernetzung

Mit den richtigen Vernetzungstechnologien werden Schwärme aus mobilen Robotern oder Drohnen zu hochgradig flexiblen, sich selbst organisierenden Systemen: Keine einzelne zentrale Steuerung, keine fragilen Einzellinks zu einer überlasteten Basisstation. Stattdessen spannen die Geräte ein dezentrales Kommunikationsnetz auf und tauschen Daten direkt untereinander aus. Sie treffen auf diesem Weg kollektive Entscheidungen und kollaborieren beim Erledigen von Aufgaben. Und ein Schwarm bleibt selbst dann handlungsfähig, wenn einzelne Einheiten ausfallen.

Normalerweise heißt es: Je mehr vernetzte Geräte, desto mehr Datenverkehr von und zum zentralen Server. Eine zentrale Leitsteuerung wird so aber schnell zum Flaschenhals. Dezentrale Vernetzung adressiert dieses Problem daher auf drei Ebenen:

  • Anwendungsebene
    Dezentrale Anwendungskomponenten erlauben verteilten Systemen, sich direkt selbst zu organisieren – auch dann, wenn eine zentrale Leitsteuerung nicht erreichbar ist.
  • Informationsverteilung
    Müssen Informationen von Teilnehmern an viele andere verteilt werden, stoßen klassische Verfahren schnell an Grenzen der Skalierbarkeit. Dezentrale Verteilmechanismen, codierte Verfahren oder die Nutzung von Geo-Informationen eröffnen hier neue Handlungsspielräume.
  • Funkvernetzung
    Kurzfristige Abschattungen oder sporadische Interferenzen gefährden die Verlässlichkeit des Funksystems. Architekturen wie Mesh-Netze, Sidelink und Multi-Hop-Kommunikation, die eine direkte Kommunikation zwischen den Teilnehmern ermöglichen, sichern den kontinuierlichen Datenfluss.

Die Vorteile dezentraler Schwarmrobotik:

Geringe Latenz

Direkter Informationsaustausch zwischen Drohnen und Robotern sorgt für kurze Reaktionszeiten und synchronisierte Manöver.

Mehr Zuverlässigkeit

Keine Stillstände und Fehler mehr – alternative Übertragungspfade und -technologien halten den Datenfluss jederzeit aufrecht.

Verbesserte funktionale Sicherheit

Dank dezentraler Abstimmung können Roboter, Fahrzeuge und Drohnen bei gemeinsamen Aufträgen im Schwarm synchronisierte Stopps oder Ausweichmanöver ausführen.

Gestärkte Resilienz

Dezentrale Kontrollstrukturen und Routing-Optionen erlauben dem Schwarm, Ausfälle einzelner Knoten oder Links selbstständig zu kompensieren, um seine Mission fortzusetzen.

Hohe Skalierbarkeit

Zusätzliche Roboter oder Drohnen fügen sich ohne Ausbau zentraler Ressourcen in das Netz ein, sodass die Flotte flexibel und kostengünstig wachsen kann.

Multi-RAT-Kommunikation als Enabler resilienter Vernetzung

Multi-RAT-Kommunikation ermöglicht es, verschiedene Funktechnologien wie 5G, WiFi oder LPWAN parallel zu nutzen. Je nach Verfügbarkeit wird zwischen verschiedenen Übertragungsstandards umgeschaltet, um die Datenübertragung auch unter schwierigen Einsatzbedingungen stets aufrechtzuerhalten. Das ist besonders dann wichtig, wenn knappe Verzögerungsgrenzen eingehalten werden müssen, um den sicheren Betrieb von Drohnen, Robotern oder Fahrzeugen sicherzustellen. Gleichzeitig sind Schwärme in industriellen Umgebungen häufig Störungen, Abschattungen und variierenden Funkbedingungen ausgesetzt.

Durch die parallele Nutzung mehrerer Funktechnologien können Datenströme redundant verteilt, adaptiv priorisiert und zeitgenau übertragen werden. Doch das erfordert ein hohes Maß an Koordination und eine zeitsensitive Steuerung der Übertragung. Hierfür entwickeln wir einen Multi-RAT-Controller, der Datenpakete intelligent über die verfügbaren Übertragungskanäle verteilt, Network Coding gezielt einsetzt und die Übertragungs- und Codierstrategie proaktiv an die aktuelle Funk- und Netzsituation anpasst. Auf diese Weise entstehen neue Verfahren und Lösungskomponenten, die die lückenlose und sichere Übertragung kritischer Daten auch unter stark schwankenden Bedingungen sicherstellen.

Wir kümmern uns um die Vernetzung mobiler und schwarmbasierter Systeme in der Industrie

Beratung und Systemkonzeption

zur zuverlässigen Vernetzung mobiler Plattformen in industriellen Umgebungen

Kooperation in Forschungsprojekten

rund um das Thema Vernetzung für die automatisierte Fabrik

Methoden und Referenzimplementierungen

für die dezentrale Vernetzung im Schwarm und die resiliente Vernetzung über verschiedene Funkzugangstechnologien (Multi-RAT)

Referenzprojekte

  • ORPHEUS – Optimierte Vernetzung kooperierender Fahrzeugschwärme

    Im Projekt ORPHEUS werden Lösungen erforscht, die die Kommunikationsabläufe in kooperierenden Transportsystemen verbessern. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit Mitteln der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) gefördert.

    Das Fraunhofer IIS untersucht dabei, wie die dezentrale Vernetzung fahrerloser Transportfahrzeuge kommunikationstechnisch umgesetzt werden kann. Dafür werden verschiedene Ansätze simuliert und bewertet.

  • INVENT – Nutzung hybrider Kommunikationsnetze zur zeitsensitiven, zuverlässigen Vernetzung resilienter, autonomer Systeme

    Im Projekt INVENT wird eine ausfallsichere Funkkommunikationslösung entwickelt, die sicherheitskritische Drohneneinsätze unterstützt. Als Anwendungsszenario dient die frühzeitige Erkennung von Waldbränden durch Drohnen. Ziel ist die Schaffung eines flugtauglichen Kommunikationssystems, das mehrere Kommunikationskanäle – inklusive Satellitenkommunikation, 5G und WiFi – nutzt, um Steuerungs- und Sensordaten während des gesamten Fluges zuverlässig zu übertragen (Multi-RAT).

    Das Fraunhofer IIS entwickelt dafür einen spezifisch angepassten Multi-RAT-Controller, der die Steuerung der Datenströme koordiniert und Daten dabei automatisch und teilweise redundant auf geeignete Kanäle verteilt. Auch die Nutzung von Informationen zur Funkabdeckung wird integriert, um Funklöcher und Engpässe vorherzusehen und zu umgehen. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert.

Das könnte Sie auch interessieren

 

Zuverlässige drahtlose Industriekommunikation

Übertragungslösungen für geringe Latenz und hohe Zuverlässigkeit

 

Internet of Things

Hier geht es zurück zum Geschäftsfeld
»Internet of Things«