»5G wird weitreichende Veränderungen mit sich bringen«

Interview mit Bernhard Niemann über den neuen Mobilfunkstandard 5G

3G, 4G und jetzt 5G – der neue Mobilfunkstandard ist bereits in aller Munde, doch wo stehen wir tatsächlich in der Entwicklung? Was kann 5G im Vergleich zu seinen Vorgängern? Und was wird durch den neuen Standard alles möglich? Wir sprachen mit einem, der es wissen muss. Bernhard Niemann forscht zusammen mit Kolleginnen und Kollegen am Fraunhofer IIS seit mehreren Jahren zum neuen Mobilfunkstandard 5G und entwickelt dabei technische Lösungen, die auf diesen Standard ausgerichtet sind.

Herr Niemann, 5G gilt als Nachfolgestandard von LTE/4G. Ist das eine Reihe – 3G, 4G und jetzt 5G?

5G steht tatsächlich für die fünfte Generation im Mobilfunk. Damit ist 5G durchaus der Nachfolger von LTE, was auch als vierte Mobilfunkgeneration oder 4G bekannt ist, und GSM, was als zweite Mobilfunkgeneration oder 2G bezeichnet wird. Doch 5G wird weitreichendere Veränderungen mit sich bringen als die Generationen zuvor.

© Fraunhofer IIS/Karoline Glasow

Bernhard Niemann ist Leiter der Abteilung »Breitband und Rundfunk« am Fraunhofer IIS.

Was wird der markanteste Unterschied sein?

Im Vergleich zu 4G wird sich bei 5G die Kapazität der Netze deutlich erhöhen. Dazu ist es notwendig, dass man die Mobilfunkstandorte deutlich verdichtet. Die Datenkapazität, die dem individuellen Nutzer zur Verfügung steht, wird sich erhöhen und ebenso vergrößert sich die Anzahl der Nutzer innerhalb einer Zelle.

 

Heißt das dann, dass wir noch schneller telefonieren oder Videos streamen können?

Mit Sicherheit kann der einzelne Nutzer Videos mit höherer Qualität empfangen – mit weniger Unterbrechungen und ohne Ruckeln. Und durch das dichtere Netz werden die Signale dann auch an mehr Orten als bisher empfangen. Darüber werden die User schneller im Internet unterwegs sein. Aber es gibt jenseits der Individualanwendungen noch eine Reihe weiterer, wichtiger Anwendungen, für die 5G eine Schlüsseltechnologie sein wird.

© Mimi Potter - fotolia.com / Fraunhofer IIS

5G – Schlüsseltechnologie für Industrie 4.0.

Nun sind wir gespannt: Wo kann 5G noch eingesetzt werden und was wird dadurch möglich werden?

Wichtige Anwendungsfelder sind jenseits von Internetsurfen und Videostreaming mit Sicherheit die vernetzte Mobilität und das autonome Fahren. Hier wird 5G dafür sorgen, dass Autos untereinander und mit der Infrastruktur besser kommunizieren können.

Zudem spielt 5G eine wichtige Schlüsselrolle bei der Etablierung von Industrie 4.0. Hier ist 5G die Technologie, die dafür sorgen wird, dass Maschinen untereinander drahtlos kommunizieren und dass darüber hinaus auch Werkstücke und Maschinen kommunizieren können. Das bedeutet, dass die Maschine weiß, welches Werkstück sie gerade in welcher Form bearbeiten soll. Ein weiteres, wichtiges Anwendungsfeld wird das Internet of Things im Allgemeinen sein.

Wann wird 5G voraussichtlich verfügbar sein?

Die Arbeit an 5G läuft momentan auf Hochtouren. Es ist zu erwarten, dass ab Mitte 2018 eine erste Version des 5G-Standards verfügbar sein wird.

Eine zweite Phase von 5G wird danach standardisiert und voraussichtlich bis Ende 2019 abgeschlossen sein, sodass man mit ersten, kommerziellen Netzwerken ab ungefähr 2020 rechnen kann.

Welche Rolle spielt das Fraunhofer IIS bei der Realisierung von 5G?

Das Fraunhofer IIS arbeitet an technischen Lösungen für verschiedenste Herausforderungen im Umfeld 5G. Hierbei sind zum Beispiel zu nennen:

Mehrantennensysteme und verteilte Antennen zur Erhöhung von Kapazität und Durchsatz, Integration von Satelliten zur Verbesserung der Abdeckung, extrem kurze Verzögerungszeiten und hochgenaue Positionierung für Industrie 4.0 und Mobilität sowie sehr geringer Stromverbrauch für das Internet der Dinge.

Herr Niemann, vielen Dank für das Gespräch.

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