Warum braucht Europa KI-Souveränität?
Jan Plogsties: Weil wir diese Technologie wirklich verstehen und selbst beherrschen müssen. In einer Welt, in der internationale Abhängigkeiten jederzeit spürbar sind, dürfen wir uns nicht darauf verlassen, dass zentrale Dienste aus anderen Regionen dauerhaft verfügbar bleiben. Technologische Unabhängigkeit ist daher eine strategische Notwendigkeit.
Wir verfügen außerdem in Europa über eine starke Forschungslandschaft im KI-Bereich, aber wir schaffen es bislang zu selten, dieses Wissen in schlagkräftige kommerzielle Erfolge umzuwandeln. Um Talente und Know‑how langfristig in Europa zu halten, müssen wir eigene Technologien aufbauen und weiterentwickeln.
Darüber hinaus ermöglicht uns die Entwicklung eigener Modelle, KI nach europäischen Vorstellungen und Werten zu gestalten. Wir können gezielt festlegen, welche Sprachen und gesellschaftlichen Perspektiven berücksichtigt werden sollen. Datenfilterung, Bias‑Kontrolle und regulatorische Leitplanken werden schon während der Entwicklung integriert. Das schafft ein hohes Maß an Vertrauenswürdigkeit und kultureller Vielfalt. Unser erstes LLM Teuken-7B beispielsweise bezieht bewusst 21 europäische Sprachen mit ein und steht nicht nur als Open-Source zur Verfügung, sondern erfüllt auch die Standards der EU in Bezug auf den AI-Act.
Ich möchte dabei betonen: Es geht nicht darum, mit globalen Akteuren wie OpenAI zu konkurrieren. Vielmehr geht es darum, in sensiblen und anwendungsspezifischen Bereichen verlässliche Alternativen zu haben. Gerade dort, wo Neutralität und Vertrauen besonders wichtig sind.