Hardware und Software für Spiking Neural Networks
Auf Hardwareseite ist der Durchbruch bereits gelungen. Mit dem am Fraunhofer IIS und Fraunhofer EMFT entwickelten SNN-Beschleuniger SENNA steht ein programmierbarer, neuromorpher Chip für die Verarbeitung niedrigdimensionaler Zeitreihendaten bereit. Er besteht aus 1024 künstlichen Neuronen, arbeitet direkt mit spike-basierten Ein- und Ausgangssignalen und kann Signalströme in Nanosekundenschnelle analysieren. Mit dem ergänzenden Software-Development-Kit lassen sich SNN-Modelle einfach auf den Chip überspielen.
Allerdings erfordert die Entwicklung solcher SNN-Modelle völlig neue Herangehensweisen. »Auf theoretischer Ebene sind SNNs schon sehr weit, aber erprobte Vorgehensweisen für ihren Aufbau fehlen in der Praxis noch. Gleichzeitig haben sich viele Unternehmen in den letzten Jahren erst mühsam KI-Kompetenzen und gut funktionierende DNN-Modelle erschlossen. Unsere Überlegung war: Wie können wir eine verlässliche Brücke von DNNs zu SNNs bauen, durch die wir die Schnelligkeit und Energieeffizienz von SNNs ohne horrende Neuinvestitionen in die Anwendung bringen?«, erläutert Rothe.
Der richtige Rahmen für derart ambitionierte Fragestellungen fand sich im von der Europäischen Union geförderten Projekt MANOLO. Dort arbeiten 18 europäische Partner an der Entwicklung von Algorithmen und Tools, die KI energieeffizienter und leistungsfähiger machen. Im Fall von SNNs ist das echte Grundlagenarbeit, denn sie sind nicht leicht zu trainieren. Klassische Trainingsansätze, bei denen ein neuronales Netz seine Fehler Schicht für Schicht zurückverfolgt und dabei die Gewichte nachjustiert, greifen hier nicht ohne Umwege. Das liegt vor allem daran, dass in SNNs Informationen als einzelne, zeitlich exakt platzierte Impulse weitergegeben werden, die sich nicht stufenlos ändern lassen. Ist bereits ein DNN vorhanden, führt der derzeit effizienteste Weg zu einem präzise funktionierenden SNN daher über die Umwandlung eines DNNs in ein SNN.