Computertomographie hat sich zu einem etablierten Werkzeug der musealen Forschung entwickelt. Im Gegensatz zur industriellen Anwendung steht die zerstörungsfreie Erschließung von Objekten im Vordergrund, die unter keinen Umständen beschädigt werden dürfen. CT macht das Innenleben sichtbar, ohne das Original zu verändern, liefert einen vollständigen digitalen Zwilling. Sobald Objekte größer werden, in dichten Materialien eingebettet sind oder aus stark unterschiedlichen Werkstoffen bestehen, stoßen herkömmliche CT-Anlagen an ihre Grenzen. Hier hat sich die XXL-CT des EZRT als unverzichtbares Werkzeug etabliert – und mit GiantEye eröffnen sich durch die Gantry-Bauweise und Aufnahme in natürlicher Lage zusätzliche Möglichkeiten.
Drei Projekte illustrieren das Spektrum:
Im Projekt 3D-Cipher wurden mit dem Deutschen Museum rund 60 historische Chiffriergeräte gescannt und als Open Data zugänglich gemacht – die Verschlüsselungsmechanik wurde erstmals dokumentiert, ohne die Exponate zu öffnen. Beim römischen Schienenpanzer von Kalkriese wurde ein 500 kg schwerer Erdblock mit Hochenergie-CT in 1.500 Einzelaufnahmen durchstrahlt. Das Ergebnis: der älteste erhaltene Schienenpanzer dieses Typs, dessen Qualität bisherige Annahmen zur römischen Rüstungstechnik grundlegend revidierte.
Im T-rex-Projekt wurde für das Naturalis Biodiversity Center ein 66 Millionen Jahre alter, in Sandstein eingebetteter Schädel vor der Präparation tomographiert. Die Daten ermöglichten anatomische Erfassung, machten verborgene Bruchstellen sichtbar und erlaubten originalgetreue 3D-Druck-Reproduktionen.
Auch großvolumige technikgeschichtliche Objekte fallen in dieses Feld: Die Aufnahme einer fast sechs Meter langen Messerschmitt Me 163 machte konstruktive Details sichtbar, die bei Demontage verloren wären. Mit GiantEye wird erstmals die Aufnahme in natürlicher Lage möglich – relevant für Objekte mit beweglichen Komponenten oder druckempfindlichen Materialien