Prävention braucht Kontext
Die Möglichkeiten solcher Datensätze reichen weit über die Messung einzelner, isolierter Vitalparameter hinaus. Werden Herzaktivität, Atmung, Bewegung und weitere Biosignale gemeinsam betrachtet, lassen sich Belastungen und Veränderungen des Gesundheitszustands deutlich genauer erfassen. So entsteht ein umfassendes Bild davon, wie sich körperliche oder mentale Beanspruchung im Alltag auswirken, welche Faktoren langfristig zu gesundheitlichen Risiken beitragen oder wie sich individuelle Belastungsgrenzen objektiv bestimmen lassen.
Darüber hinaus eröffnen multimodale Messungen neue Möglichkeiten für die Arbeits- und Gesundheitssicherheit. Um Belastungen in körperlich oder kognitiv anspruchsvollen Tätigkeiten besser zu verstehen, genügt es beispielsweise nicht zu wissen, wie viel sich eine Person bewegt. Erst die Kombination verschiedener Biosignale liefert ein vollständigeres Bild. Während EKG und optische Messverfahren wie die Photoplethysmografie (PPG) Aufschluss über die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems geben, erfassen inertiale Bewegungssensoren (IMUs) Körperhaltung, Bewegungsabläufe und Beschleunigungen. Gemeinsam ermöglichen diese Daten, körperliche Beanspruchung, Ermüdung oder ungünstige Bewegungsmuster differenzierter zu analysieren.
Wenn Daten zu Wissen werden
Neben der Prävention profitieren auch neue Forschungsansätze in anderen Bereichen der Gesundheitsversorgung von diesem Ansatz. Ein Beispiel für einen solchen Einsatz ist das Leuchtturmprojekt ROBO.KIWI. Mit dem Ziel, das wertvolle Erfahrungswissen von Pflegefachpersonen langfristig zu bewahren und für die Ausbildung nutzbar zu machen, erfasst maphera® deren Bewegungsabläufe und Interaktionsmuster mit Patientinnen und Patienten in realen Pflegesituationen. Die gewonnenen Daten fließen in multimodale Datensätze, aus denen charakteristische Bewegungs- und Interaktionsmuster abgeleitet werden können. In einem nächsten Schritt werden diese kuratierten Referenzbewegungen auf humanoide Roboter übertragen, die in der Pflegeausbildung dann zu physischen Lernpartnern werden sollen.
Das Beispiel zeigt, dass moderne medizinische Messtechnik weit mehr leisten kann als die Erfassung einzelner Vitalparameter. Indem unterschiedliche Biosignale synchron erfasst und gemeinsam ausgewertet werden, entstehen Datensätze, die komplexe Zusammenhänge sichtbar machen. Genau darin liegt das Potenzial dieser Schlüsseltechnologie – für die Präventivmedizin ebenso wie für viele weitere Bereiche der Gesundheitsversorgung.