120 Jahre Röntgenstrahlung: Vortrag von Prof. Randolf Hanke über Stand gestern und heute

/ 4.11.2015

Fürth/Würzburg, 7. November 2015: Vor 120 Jahren entdecke Wilhelm Conrad Röntgen die Röntgenstrahlen. Prof. Dr. Randolf Hanke, Leiter des Entwicklungszentrums Röntgentechnik in Fürth des Fraunhofer IIS und Inhaber des Lehrstuhls für Röntgenmikroskopie an der Universität Würzburg, nimmt dieses Jubiläum zum Anlass am Samstag, den 7. November 2015 ab 10:30 Uhr am Physikalischen Institut der Universität Würzburg einen Vortrag zu halten. Unter dem Titel »Röntgenstrahlung in der modernen Materialprüfung – Röntgens Jagdgewehr im Mikro-Computer-tomographen« zeigt er an aktuellen Beispielen auf, was vor 120 Jahren Stand der Technik war und was mit heutigen Methoden möglich ist.

Ein langer Weg – vom lichtempfindlichen Film bis zur digitalen Verarbeitung

Die Entdeckung der Röntgenstrahlung vor 120 Jahren in Würzburg erwies sich als absoluter Meilenstein für die Physik. Aber auch die Medizin profitierte vom Röntgenblick:

Erstmalig konnten Krankheiten und Verletzungen im Körperinneren präzise diagnostiziert werden. Dass Röntgen auf die Patentierung seiner Entdeckung verzichtete, begünstigte die Verbreitung der Technologie enorm. Getrieben von den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten der X-Strahlen, wie sie Wilhelm Conrad Röntgen nach seiner Entdeckung nannte, wurde die Technologie kurz darauf in zahlreichen weiteren Wirtschaftszweigen, so auch auf dem Gebiet der Werkstoff-Forschung, eingesetzt. Was auf die überragende Leistung von Wilhelm Conrad Röntgen ein besonderes Licht wirft: Bis in die 1970er Jahre blieb Röntgens Methode der filmbasierten Radiographie im Wesentlichen völlig unverändert. Erst mit der Erfindung des Computers verbunden mit der Möglichkeit, digitale Röntgenbilder zu erzeugen und diese mit Computern zu verarbeiten, gelang mit der Erfindung und Realisierung des ersten Computertomographen der nächste große, nennenswerte Schritt auf dem Gebiet der zerstörungsfreien Röntgendiagnostik und -materialprüfung. Seit nunmehr 20 Jahren schreiten die technologischen Weiterentwicklungen auch in der zerstörungsfreien Bauteilprüfung und Materialcharakterisierung nachhaltig voran, nicht zuletzt auch bedingt durch die Forschung und Entwicklung des Entwicklungszentrums Röntgentechnik in Fürth, ein Bereich des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS, unter der Leitung von Prof. Dr. Randolf Hanke.

Fraunhofer-Entwicklungszentrum Röntgentechnik

Prof. Dr. Randolf Hanke startete seine wissenschaftliche Karriere 1989 auf dem Gebiet der digitalen Röntgenbildgebung und -verarbeitung am Fraunhofer IIS. Bereits zwei Jahre später leitete er eine fünfköpfige Gruppe, die auf Industrielle Radioskopische Bildgebung spezialisiert war; die daraus entstandene Abteilung war nur ein Zwischenschritt zum 1997 gegründeten Institutsbereich Entwicklungszentrum Röntgentechnik EZRT.

Heute genießt das EZRT am neuen Standort Fürth-Atzenhof weltweite Anerkennung. Rund 150 Mitarbeiter erforschen zerstörungsfreie Prüfmethoden und können dabei auf einen weltweit einzigartigen Anlagenpark zurückgreifen, mit dem sich Prüfobjekte aller Größen und unterschiedlichster Beschaffenheit und Zusammensetzung untersuchen lassen. Mit diesen einmaligen technologischen Möglichkeiten erzielten die Forscher bereits mehrfach beeindruckende Ergebnisse: Mittels der XXL-Computertomographie konnten komplette Fahrzeuge sowie riesige Frachtcontainer tomographiert werden. Mit besonders hochauflösenden Systemen, die den Röntgenblick in mikroskopischer Auflösung ermöglichen, prüfen die Wissenschaftler die Echtheit zahlreicher kultur- und
kunsthistorischer Objekte, wie der Henlein-Taschenuhr.

Die Technologien der EZRT-Forscher werden aber auch in zahlreichen Weltkonzernen eingesetzt: Die Software Intelligentes System zur automatischen Radioskopie, ISAR, für die Hanke und sein Team im Jahr 2001 mit dem Fraunhofer-Preis ausgezeichnet wurden, sorgt seit nunmehr rund 15 Jahren dafür, dass Millionen Leichtmetallfelgen fehlerfrei vom Produktionsband kommen.

Vortragsdetails

Vortragsreihe: Physik am Samstag – das ist eine Vorlesungsreihe für Schüler, Lehrer und die interessierte Öffentlichkeit zu unterschiedlichen Themen der Physik.

Thema: Röntgenstrahlung in der modernen Materialprüfung – Röntgens Jagdgewehr im Mikro-Computertomographen
Datum:
Samstag, 7. November 2015, 10:30 Uhr
Ort: Max-Scheer-Hörsaal im Hörsaalbau der Naturwissenschaften

Anfahrt

Fakultät für Physik und Astronomie
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Am Hubland
97074 Würzburg
www.physik.uni-wuerzburg.de