KI-Serie: Wie KI die Effizienz in der Logistik steigern kann

Abteilungsleiter Christian Menden ist für die Entwicklung einer KI-Strategie für den Bereich Supply Chain Services (SCS) verantwortlich

Christian Menden
© Fraunhofer IIS/Paul Pulkert
Christian Menden arbeitet am Fraunhofer IIS in der Arbeitsgruppe für Supply Chain Services (SCS) an der Entwicklung einer KI-Strategie.

Mit Laptop auf den Knien oder rot-schwarzer Kladde im Arm: Jeden Freitag um Punkt 10 Uhr versammelt sich die kleine Runde, wenn Christian Menden zur »open session« einlädt. »Das ist ein offenes Austauschformat für die Kolleginnen und Kollegen, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten«, erklärt der 29-Jährige. An diesem Tag dreht sich die Diskussion, wie so häufig, um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Genauer gesagt um Prozessdatenprognose bei Lkw-Transporten. Denn was geschieht, wenn logistische Prozesse nicht funktionieren, spürt jeder, der auf der Autobahn schon einmal im Stau feststeckte.

Die zehn Mitarbeitenden aus Mendens Abteilung, die aus den Disziplinen Betriebswirtschaftslehre, Statistik und Mathematik kommen, tauschen im Rahmen des Logistikprojektes PRODAB lebhaft Ideen aus, wie im Supply Chain Management des Kundenprojektes Planungsprozesse effizienter gemacht werden können. Wie wirken sich Verzögerungen bei Lieferanten aus, was geschieht, wenn Mitarbeitende erkranken oder wenn beim Kunden plötzlich dessen Aufzug streikt, mit dem Waren transportiert werden sollen? »Die Ursachen und Auswirkungen von Einflüssen und Störungen auf logistische Prozesse können Unternehmen bislang nur schwer quantifizieren«, erläutert Menden.

Seinen Kolleginnen und Kollegen hört der Volkswirtschaftler gespannt zu, hakt immer wieder einmal nach. Später wird er diese wöchentliche Zusammenkunft einmal mehr als »sehr angeregte Diskussion« beurteilen. Im Team Ideen zu entwickeln ist dem Abteilungsleiter Analytics am Nürnberger Standort »essentiell wichtig«.

»Die letzten Prozentpunkte an Effizienz herauskitzeln«

»Man unterstützt sich gegenseitig und kommt dadurch schneller voran. Jeder Mitarbeitende kann aktiv Projekte anstoßen«, sagt Menden. »Wir identifizieren zukünftige Forschungsthemen und Kooperationsmöglichkeiten mit den unterschiedlichsten Partnern aus der Industrie.« Für jedes Problem den passenden Algorithmus zu finden, ist für ihn die große Herausforderung.

Schon frühzeitig habe er für die angewandte Forschung Feuer gefangen, sagt der Wissenschaftler. Gereizt habe ihn außerdem die »Dynamik der KI«. »Mit KI wollen wir die letzten Prozentpunkte an Effizienz herauskitzeln, besonders dann, wenn die Datengrundlage schlecht ist.« Beim Fraunhofer IIS hat der junge Wissenschaftler schnell Karriere gemacht – in einem Arbeitsumfeld, das ihm sehr gefällt. »Als ein Institut mit starkem mathematischen Schwerpunkt verknüpfen wir Prognose- und Optimierungsmethoden mit dem Ziel, die Komplexität der mathematischen Darstellung von industriellen Problemstellungen zu reduzieren.«

Ein neuer Coworking-Space – mit der »besten Kaffeemaschine der Welt«

Wie zum Beispiel im Projekt PRODAB. Mittels Data Analytics-Anwendungen werden hier Daten für spezifische Logistikprozesse systematisch erfasst und mithilfe von Bayes’schen Netzen abgebildet. Bayes'sche Netze? Für den Spezialisten Menden ist das Theorem aus der klassischen Statistik im Vergleich zu den häufig verwendeten Neuronalen Netzen eine ideale KI-Methode, die zu wesentlich mehr Effizienz führt. »Wenn Daten nicht in ausreichender Menge vorhanden sind, ist es stattdessen möglich, Expertenwissen in Bayes’sche Netze zu integrieren. Die Software kann dann Empfehlungen zur gezielten Prozessverbesserung oder zur optimalen Allokation von Ressourcen geben«, erklärt Menden. Seine Passion ist es, wie er sagt, »an das mathematische Optimum heranzukommen und hochkomplexe KI-Berechnungen durchzuführen, auch in Echtzeit. Für unsere Kunden bedeutet dies eine Verbesserung der Ressourcennutzung und Steigerung des Servicelevels.«

Ob die Vorhersage von Kundenbedarfen nach der Produktion oder Lagerbeständen, die Prognose von Ersatzteilen und den oft schwankenden Frachtmengen oder die Entwicklung und Einführung passgenauer Gesundheits- und Motivationsmaßnahmen für Personal im Lagerbereich: »Angesichts der Themenvielfalt kommt wenig Routine auf«, sagt Menden. Und wenn er mal »gedanklich abschalten« will, sucht er sich einen der schönsten Plätze am Nürnberger Standort des Fraunhofer IIS: den neu gestalteten Coworking-Space – mit der »besten Kaffeemaschine der Welt«.

 

Beitrag von Ilona Hörath

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Restaurantbesitzerinnen und Restaurantbesitzer stellen sich oft die Frage: Wie viele Gäste kommen in den nächsten Tagen? Christian Menden vom Fraunhofer IIS zeigt in diesem Vortrag, wie diese Herausforderung in der Planung mittels KI präzise gelöst wird.

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