Fraunhofer-IIS-Experten unterstützen im Kampf gegen Corona mit technischem Know-how

01. April 2020

Erlangen/Nürnberg: Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS beteiligt sich an der multinationalen Initiative »Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing« (PEPP-PT) für eine länderübergreifende Plattform und ein Framework, auf dessen Basis datenschutzkonform APPs zur Eindämmung der COVID19 Pandemie entwickelt werden können. Das Expertenteam für Vernetzung des Fraunhofer IIS koordiniert die Methoden und Algorithmikentwicklung der Bluetooth-gestützten Distanzschätzung und implementiert diese verschiedenen Ansätze.

PEPP-PT
© PEPP-PT

Solange kein wirksames Mittel gegen Corona gefunden wurde – solange hilft nur Eindämmung durch Kontaktvermeidung. Aber wer positiv getestet wurde, weiß bereits nach zwei Tagen oder Wochen nicht mehr zuverlässig, mit welchen Personen er auch nur zufällig länger Kontakt hatte. Hier kann Technologie auf dem Handy jeden einzelnen unterstützen, schützen und anderen helfen. Dass dies nur anonymisiert und mit Einwilligung der Handybesitzer geschehen kann, war von Anfang an Grundvoraussetzung bei der Erstellung und des geplanten Funktionsempfangs.

Distanzschätzung von sich bewegenden Geräten und Personen

Das Fraunhofer IIS unterstützt zusammen mit dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut HHI und dem Fraunhofer AISEC die Technologieweiterentwicklungen für das PEPP-PT im einem der wichtigen Arbeitspakete – der Distanzschätzung. Die IIS-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Nürnberg bringen ihr langjähriges Know-how für die Distanzschätzung bei sich bewegenden Geräten/Personen über den Signalaustausch zwischen Geräten nach dem BLE (Bluetooth Low Energy) Standard ein.

»Es braucht umfangreiches Know-how und Erfahrung, um aus der Signalstärke möglichst genau die Distanz zu bestimmen. Einflussgrößen auf die Signalstärke sind hier die nicht exakt gleiche Sendeleistung der vielen verschiedenen Endgeräte, die Ausrichtung von Sende- und Empfangsantennen, der Einfluss des Körpers z.B. beim Telefonieren, das Tippen auf dem Bildschirm oder Tragen in der Tasche «, skizziert Prof. Albert Heuberger die Hürden und Herausforderungen, die sein Team für eine möglichst genaue Schätzung meistern müssen.

Eine Klassifikation in Entfernungen unter und über der vom Robert-Koch-Institut vorgegebenen Distanz von 1,5 bis 2 Metern in Verbindung mit der Dauer gibt einen Hinweis, welchen Geräten man potentiell nahegekommen ist. Ausführliche Testmessungen in unterschiedlichen Umgebungen wurden durchgeführt, um die Schätz-Parameter in den derzeit zur Verfügung stehenden Testszenarien zu optimieren.

»Das Kernteam des IIS umfasste ca. 15 Personen, die in den letzten drei Wochen fast pausenlos – entwickelt, getestet und evaluiert haben und dies in einer Initiative, in der 130 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Nationen diesen Vorschlag zur COVID19-Eindämmung erarbeitet haben«, würdigt Heuberger die Anstrengungen des Fraunhofer-IIS-Teams aus Nürnberg.

 

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://www.aisec.fraunhofer.de/de/presse-und-veranstaltungen/presse/pressemitteilungen/2020/PEPP-PT.html

https://www.hhi.fraunhofer.de/presse-medien/nachrichten/2020/privacy-protecting-proximity-tracing-zur-bekaempfung-des-coronavirus.html