Fraunhofer schafft Standard für 3D-Computertomographie von Musikinstrumenten

/ 29.1.2015

Fürth, 29. Januar 2015: Das Fraunhofer-Entwicklungszentrum Röntgentechnik, ein Bereich des Fraunhofer IIS, das Germanische Nationalmuseum (GNM) sowie der Lehrstuhl für Röntgenmikroskopie (LRM) an der Universität in Würzburg kooperieren: Seit November 2014 forschen die kooperierenden Einrichtungen in dem für drei Jahre von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) geförderten Projekt »MUSICES«, um Richtlinien und Verfahrensanweisungen zur dreidimensionalen Computertomographie von Musikinstrumenten zu entwickeln. Dabei sollen weltweite Standards erstellt werden, die eine vergleichbare Bildqualität gewährleisten.

Fraunhofer IIS
Die »La Leona« gilt als Urtyp der modernen Gitarre. Eine Röntgenaufnahme offenbart den Blick ins Innere.

Erzeugung einheitlicher Forschungsdaten

Die digitale Erfassung kulturhistorisch bedeutsamer und meistens unersetzlicher Gegenstände wird zunehmend wichtiger. Insbesondere die industrielle Röntgen-Computertomographie ist in der Lage, kostbare Einzelstücke berührungslos, geome-trisch exakt und dreidimensional zu erfassen. Die Aufnahmen historischer Musikinstrumente, die über die ganze Welt verstreut sind und möglichst vor Ort vermessen werden sollen, ist eine große Herausforderung für alle beteiligten Wissenschaftler. Um eine vergleichbare Bildqualität der Aufnahmen zu garantieren, ist es notwendig, Richtlinien und Verfahrensanweisungen zu entwickeln, die unabhängig von den lokal verfügbaren Röntgenanlagen vorgeben, wie eine entsprechende Messung durchzuführen ist.

Metropolregion Nürnberg als zentraler Knotenpunkt

Die Vielfalt an Musikinstrumenten, die von den zu erarbeitenden Richtlinien und Vorschriften abgedeckt werden soll, steht in der umfangreichen Sammlung des GNM zur Verfügung. Nur wenige Kilometer entfernt bietet das weltweit einzigartige Spektrum an Röntgenanlagen am Fraunhofer EZRT in Fürth beste Voraussetzungen, um geome-triegetreue Volumendaten zu erzeugen. Möglichkeiten für grundlegende physikalische Untersuchungen sowie unterstützende bildgebende oder analytische Methoden zur Rekonstruktion und Auswertung von Volumendaten bestehen am LRM in Würzburg wie auch in den verschiedenen Entwicklergruppen am EZRT.

Zerstörungsfreie Prüfung ergänzt geisteswissenschaftliche Methoden

Die wissenschaftliche Untersuchung und Erforschung von Sammlungsobjekten verlässt sich schon längst nicht mehr ausschließlich auf geisteswissenschaftliche Methoden wie z. B. die Stilkritik. Zerstörungsfreie und damit konservatorisch vertretbare Verfahren wie die Untersuchung mittels Röntgenlicht liefern dreidimensionale Abbildungen, die Forschern den Röntgenblick ins Innere offenbaren. So können Wissenschaftler völlig ortsunabhängig und dennoch höchstpräzise an unersetzlichen Gegenständen forschen.